Archive for the 'Alsergrund' Category

Was es ist… Eine Nachlese zur Zwischennutzung in der Alserbachstraße

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Die Lokale Agenda Alsergrund bespielte Ende Mai eine leer stehende Bankfiliale in der Alserbachstraße. Über einen Zeitraum von 5 Tagen fanden öffentliche Vorlesungen und eine Theateraufführung statt. Ideen für eine Aufwertung der Alserbachstraße wurden in einer Ideenbank gesammelt und als Treff- und Vernetzungspunkt für die Nachbarschaft und der Agendagruppen fand am Sonntag der Agendabrunch statt.

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Ein Höhep

unkt der Veranstaltungsreihe war sicherlich das Vortragen des Gedichts „Was es ist“ von Erich Fried in mehr als 10 Sprachen: deutsch – englisch – französisch – luxemburgisch – italienisch – kroatisch – burgenländisch kroatisch – türkisch – kurdisch – tschechisch – ungarisch – russisch.

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Der Schriftsteller und Lyriker Erich Fried, verbrachte in diesem Haus seine Kindheit, bevor er 1938 vor dem Naziregime fliehen musste. Sein Liebesgedicht „Was es ist“ bringt sämtliche Gegenargumente, die der Liebe ihre Legitimität abzusprechen versuchen. Es sind meist dieselben Einwände, die gegenüber neuen Ideen für die Stadt eingebracht werden: unsinnig, aussichtslos, lächerlich oder unmöglich.

Mithilfe der Zwischennutzung der Bankfiliale soll die Alserbachstraße wieder verstärkt in das Interesse der Öffentlichkeit rücken. Die Belebung und Aufwertung der Straße soll in Gang gebracht werden. Die Veranstaltungsreihe schaffte es jedenfalls, die Aufmerksamkeit der vorbeigehenden und –fahrenden Personen auf die Lokalität zu ziehen, neue Personenkreise – wie Studierende oder KünstlerInnen – konnten in die Alserbachstraße gelockt werden. Wie nachhaltig dieses Interesse ist, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Diese Zwischennutzung kann jedenfalls nur ein erster Schritt zur Aufwertung der Straße sein, andere müssen folgen. Die Agendagruppe Alserbachstraße möchte daran weiter arbeiten und freut sich über zusätzliche UnterstützerInnen.

 

Die Zwischennutzung wurde auf Initiative von Nest, Agentur für Leerstandsmanagement ermöglicht, die ehemalige Bankfiliale in der Alserbachstraße / Ecke Liechtensteinstraße wird noch bis Mitte Juli von anderen Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen bespielt.

Kinos, Theater und ein Palais! Kulturstätten im Wandel – Zeitgeschichte am Alsergrund

Die Agenda Gruppe Generationen mit Astrid Esterlus, Ania Hauser, Traude Veran und Pierre-Etienne Chevallier hat am 29. April 2015 im WuK – großer SeniorInnenraum – einem interessierten Publikum, Ergebnisse ihrer einjährigen Recherche zu (ehemaligen) Kinos und Theater am Alsergrund vorgestellt.
Wussten Sie, dass…
… das Colloseum (Kino) 1899 ein Varieté mit über 600 Plätzen war und 1945 als Soldatenkino YANK in der amerikanischen Zone diente?
… das Kino Auge Gottes in der Nußdorfer Straße nach dem 2. Weltkrieg im 1. Stock eine Kinderbetreuungsstelle hatte?
… das EDISON-KINO (Michelbeuernkino) am Währinger Gürtel 78, 1907 über 500 Personen fasste und auf dem höchsten Punkt im Bezirk (200m) lag?
… das erste Wiener Schulkino 1920 eröffnetet und dem Unterricht diente?
… es in vielen Wiener Gemeindebauten eigenen Kinos gab?
… das Theater Center Forum früher das Roßauer Kino war?
… viele Kinos heute Supermärkte sind?

Astrid Esterlus wusste viel Interessantes zu berichten!
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So ein Theater mit den Theater! Traude Veran und Ania Hauser erzählten über ehemalige und noch bestehende Theater am Alsergrund mit viel Charme.
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Sie beschrieben u.a., dass…
… das Theaterleben am Alsergrund bis ins Jahr 1700 zurück reicht; Vorläufer waren sog. Volksbühnen und Figuren wie der Hanswurst traten auf.
… das Roßauer Theater 1792 von einem ebenso unermüdlichen wie erfolglosen Theaterprinzipal gegründet wurde.
… das Harmonie Theater in der Harmoniegasse, die nach Plänen von Otto Wagner 1864 erbaut wurde, mit 900 Sitzen, 20 Logen und 450 Stellplätzen sehr groß war.
…an der VHS in der Galileigasse 1948 von Schülern des Konservatoriums das “Studio junger Schauspieler” ins Leben gerufen wurde, das unter der Regie von Hans Weigel jungen Nachwuchstalenten Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten gab.

Weitere interessante und vielleicht nicht so bekannte Details zum Vienna International Theatre, Kabinetttheater, Schauspielhaus, Schubert Theater, Theater in der Kolingasse, Studio Molière, ABC Kabarett wurden zum Besten gegeben.
Direktor Stefan Mras vom Theater Center Forum war anwesend und erfuhr aus Traude Verans Mund, dass sein Haus „intelligente Entspannung, das dem vielschichtigen Publikum mit gehobener Unterhaltung entgegenkommt“ bietet.

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Holde Naumann vom Salon Schönherr kündigte die Produktion eines „Bocacchio“ im Herbst 2015 in ihren Räumlichkeiten an.

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Einen besonderen Platz nahm dann auch die Vorstellung des Französischen Kulturinstituts durch Michel Mougey ein; dieser hatte viel aus der bewegten Geschichte und seiner 26-jährigen Tätigkeit zu berichten. Das Palais Clam Gallas (Sitz des Kulturinstituts) in der Währinger Straße wurde 1834 errichtet und gehörte der Familie Dietrichstein. Schön waren die vielen alten Pläne und Fotos, mit denen Hr. Mougey seinen Vortrag visualisierte. Die Prunkräume des Palais werden heute sehr gerne für Veranstaltungen genützt. Die Zukunft des Palais ist unklar, da Frankreich das Kulturinstitut verkaufen wird. Vom 4. Mai bis Ende Juli wird der Park für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Dieser spannende und vielfältige Abend wurde von der Musikschule Alsergrund mit folgenden Beiträgen musikalisch eingerahmt:
Tomaso Checchino (um 1580-1644): Sonata prima
Laurenz Zoglauer – Sopranblockflöte und Michaela Kuchar – Bassblockflöte

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Ludwig v. Beethoven (1770-1827): Sonatina für Mandoline und Klavier WoO 43a, Transkription für Kontrabass
Marc Teruel – Kontrabass und Veronique Teruel, Klavier

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Wolfgang A. Mozart (1756-1791): Konzert für Klarinette in A-Dur, KV622 – Allegro (1)
Elias Reisinger – Klarinette (Ms22) und Veronique Teruel, Klavier

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Ein sehr gelungener Abend – das fanden auch Martina Malyar, Momo Kreutz, Norbert Doubek und Sigi Lindenmayr.

Volksopernviertel 1938

,,Das Haus Fluchtgasse 7 befindet sich im sogenannten Volksopernviertel im 9. Wiener Gemeindebezirk. Schon lange hatte ich den Verdacht, dass auch in diesem Haus, in dem ich wohne und arbeite, einige Spuren der Verfolgung durch das Nationalsozialistische Regime zu finden sein könnten.

Im Mai 2005 schließlich erfuhr ich, dass Schülerinnen und Schüler eine Datenbank mit dem klingenden Namen „A Letter to the Stars“ erstellt hatten.

Diese Datenbank ermöglicht festzustellen, ob an einer Adresse in Österreich Opfer des Nationalsozialismus wohnhaft waren. Nach Eingabe meiner Adresse wurde ich – leider – fündig. …..“

So beginnt die Geschichte, mit der Beatrix Wimmer im Oktober 2013 an die Lokale Agenda Alsergrund herangetreten ist. Acht Jahre lang hat Fr. Wimmer an dem Wissen um die Vergangenheit ihrer Wohnung „gekaut“, um dann den Entschluss zu fassen aktiv zu werden und die Geschichte aufzuarbeiten.

Eine Projektgruppe startet durch!

Mit Unterstützung des Agendabüros wurden rasch weitere Interessierte gefunden, die an dem Projekt mitarbeiten wollen. Es gründete sich eine Agendagruppe und das Projekt nahm Gestalt an.

Es konnte eine Historikerin beauftragt werden, die eine wissenschaftlich fundierte historische Recherche vornahm. Nun wissen wir, dass insgesamt 27 (!) Personen, die im Haus Fluchtgasse 7 wohnhaft waren, in den Jahren 1938-1945 verfolgt, beraubt, vertrieben und ermordet wurden.

Lehmann. Digitalisierte Adressbücher von 1859 bis 1942

Lehmann. Digitalisierte Adressbücher von 1859 bis 1942

Die Gruppe hat Kontakt mit der Leitung der Volksoper aufgenommen, mit dem Ersuchen um Unterstützung bzw. Kooperation. Es stellte sich heraus, dass aktuell an einer Dissertation gearbeitet wird, deren Thema die Erforschung der Schicksale von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Volksoper in der Zeit des Nationalsozialismus ist. Erfreulicherweise konnte eine gute Gesprächsbasis hergestellt werden und die Gruppe traf auf hohes Interesse, das auch eine Kooperation in Aussicht stellt.

Eine Vertreterin des Vereins „Servitengasse1938“, welcher aus einer Agendagruppe entstanden ist, unterstützt die regelmäßig die Agendagruppe.

Es gelingt auch mit Zeitzeugen Kontakt aufzunehmen, die ihre Jugend in dem Grätzl verbracht haben. Ein Telefonat mit einer Zeitzeugin aus Haifa (Israel) kommt zustande!

Ein Verein wurde gegründet und eine Homepage entsteht!

Die Gruppe beschließt eine Gedenktafel an dem Haus Fluchtgasse 7 anzubringen. Um diese auch finanzieren zu können, gründet die Gruppe einen Verein. Dies ermöglicht Spenden anzunehmen (jeder noch so kleine Betrag hilft) und um Förderungen ansuchen zu können.

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Gleichzeitig wird auch an einer eigenen Projekthomepage gearbeitet. Die Seite www.volksopernviertel1938.at ist entstanden – und alle sind berechtigterweise stolz darauf!

Die Gruppe hofft 2015 die Anbringung und Einweihung der Gedenktafel in der Fluchtgasse 7 vornehmen zu können.

Ruhige Orte am Alsergrund gesucht!

Die Projektgruppe „Ruhige Orte am Alsergrund“ hat eine Partizipative Karte zu den ruhigen Orten erstellt und diese steht nun online zur Verfügung!

Begonnen hat die „ruhige Geschichte“ mit mehreren Jahreszeitenspaziergängen zu denen wir in diesem blog bereits berichtet haben. Die Spaziergänge, welche seit November 2013 stattfanden, führten zu jeder Jahreszeit zu anderen ruhigen Orten im Bezirk. Ein weiterer Meilenstein war die bezirksweite Umfrage die in einem Themenabend im Sept. 2014 präsentiert wurde. In diesem Rahmen wurden auch Möglichkeiten zur Verbesserung diskutiert und eine Projektgruppe hat sich gebildet.

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Die Projektgruppe “Ruhige Orte am Alsergrund” hat in der Zwischenzeit eine partizipative Karte erarbeitet. Diese Karte ist ein Online-Tool mit dem Ziel lokales Wissen zum Thema „Ruhige Orte am Alsergrund“ zu sammeln und zu vernetzen. Jeder kann Lärmquellen in die Karte eintragen oder bestehende und potenzielle Ruhebereiche. Klicken Sie dazu auf das Symbol im Bearbeiten-Fenster auf das entsprechende Symbol und anschließend auf den Bereich in der Karte, wo Sie diesen Punkt verorten möchten.

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Die Projektgruppe erarbeitet derzeit auf Grundlage des gesammelten Wissens konkrete Maßnahmen und setzt Initiativen, um die Lebensqualität im Bezirk zu steigern.

Die ruhigen Orte werden demnächst genauer erforscht!

Ausgerüstet mit Messgeräten macht sich die Projektgruppe der Lokalen Agenda, gemeinsam mit Experten der Wiener Umweltschutzabteilung auf, um die ruhigen Orte am Alsergrund in Augenschein zu nehmen.

Vor Ort können, mit Experten der Stadt Wien, Ideen und Verbesserungsvorschläge diskutiert werden. Die Projektgruppe erarbeitet auf Grundlage des gesammelten Wissens konkrete Maßnahmen und setzt Initiativen, um die Lebensqualität im Bezirk zu steigern und die ruhigen Bereiche zu erhalten.

Partizipatives Gruppenbudget Alsergrund. Erkenntnisse!

Die Lokale Agenda Alsergrund vergibt bereits seit fünf Jahr ein partizipatives Gruppenbudget von 1.500€. Auch heuer – im März 2015 – wurden über einen Call alle aktiven Agendagruppen am Alsergrund aufgerufen, Projekte einzureichen. Ideen und Aktivitäten der Agendagruppen werden damit direkt und unkompliziert finanziell unterstützt. Die Entscheidung, welches Projekt finanzielle Zuwendung erhält und in welcher Höhe diese liegt, treffen die Agendagruppen im Rahmen eines Vergabe-Gremiums selbst. Das Vergabe-Gremium besteht aus jeweils 2 Mitgliedern jeder Agendagruppe des Bezirkes. Die Moderation des Gremiums wird vom Agendateam übernommen.

Die Verteilung der Mittel unterliegt folgenden Kriterien:

  • Das Gruppenbudget kann für ein Projekt vergeben oder auf mehrere Projekte aufgeteilt werden.
  • Das Vergabe-Gremium einigt sich auf die Verteilung der Mittel und stimmt darüber ab. Eine Zweidrittelmehrheit ist erforderlich.
  • Das Agendateam hat kein Stimmrecht.

Um zu einer Entscheidung zu kommen regt die Moderation dazu an, folgende Fragestellungen für jedes eingereichte Projekt zu behandeln:

  1. Wie viele Menschen werden mit der Umsetzung erreicht?
  2. Wie werden die Menschen erreicht? Sind die Projekt nachhaltig im Bezirk oder im Grätzl sichtbar oder erlebbar?
  3. Wie stark ist der Fokus auf Nutzen für die Gemeinschaft/Nachbarschaft, sowie auf die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Soziales, Wirtschaft, Kultur)?
  4. Welches Budget wird gebraucht? Kann das Projekt zusätzlich anders unterstützt werden?
  5. Wofür wird das geforderte Budget ausgegeben?
  6. Wann wird die Umsetzung erfolgen?

Es wurden in den letzten Jahren interessante Erkenntnisse gewonnen! Neben der Finanzierung von sinnvollen und zur Agenda 21 Plus passenden Leistungen geht es stark um Empowerment zu Good Governance. Den Gruppen wird verholfen, über den eigenen Tellerrand zu blicken und im Sinne der Gemeinschaft und Nachhaltigkeit über eine Finanzierung gemeinsam zu entscheiden.

Die Gruppen sind interessiert daran, dass neben ihren eigenen Projekten auch die anderen eingereichten Projekte umgesetzt werden können. Die Entscheidung welches Projekt welche finanzielle Unterstützung bekommt wurde bislang immer sehr ausführlich diskutiert, Pros und Contras abgewogen.

Die Diskussionen sind lebhaft, die Gruppen erfahren Details über die anderen Projekte, die sie sonst nicht haben, dies erhöht das Verständnis für die jeweils anderen Aktivitäten.

Es wird versucht Synergien herzustellen, z.B. wird gemeinsam überlegt, wie der fehlende Betrag hereingebracht werden kann, z.B. Förderstellen, Sponsoring, Firmen, mit denen man schon gute Erfahrungen gemacht hat oder Verwandte, die ev. aus ihrem Geschäft etwas spenden könnten.

Heuer erhielten 3 Projekte Unterstützung aus dem partizipativen Gruppenbudget:

Agendagruppe Gedenkprojekt Volksopernviertel für die Errichtung einer Gedenktafel in der Fluchtgasse

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Agendagruppe Grüner Durchgang für die Umsetzung eines weiteren Hochbeetes
 
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Agendagruppe Interkultureller Dialog09 für das Projekt Transkulinarium Express

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STOPHOT – Auswirkungen von Hitze in der Stadt auf ältere Personen reduzieren

Die Zahl der Hitzetage und Tropennächte in Wien wird zunehmen!

Welche Personen sind bei heißen Temperaturen in der Stadt besonders gefährdet? Wie verhalten sich ältere Menschen bei Hitze? Wie kann man die Lebensbedingungen für ältere Personen in der Stadt verbessern? Solche und ähnliche Fragen wurden im Rahmen eines interessanten Vortrags von DI Brigitte Allex bei der Lokalen Agenda Alsergrund im Herbst 2014 beantwortet.

DI Brigitte Allex vom Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung an der BOKU, berichtete im Rahmen der Vortrags- und Diskussionsreihe der Lokalen Agenda Alsergrund, die von der Gruppe „bewusst.nachhaltig“ organisiert wird, über Ergebnisse von STOPHOT, eines Forschungsprojekts, das über den Klima- und Energiefonds finanziert wird.

Die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen größer 30°C wird in den kommenden Jahren zunehmen, gleiches gilt für die Zahl der Tropennächte mit Temperaturen, die höher als 20°C in der Nacht sein werden. Die Regeneration des menschlichen Körpers ist in diesen Nächten nur noch schwer gegeben. Bewohnerinnen und Bewohner von Städten leiden besonders unter der sommerlichen Hitze. Grund dafür ist auch der sogenannte Wärmeinseleffekt. Besonders ältere Menschen sind von der Hitze durch höhere Krankheits- und im schlimmsten Fall durch höhere Sterberaten betroffen. Im Sommer 2003 starben in Europa 70.000 an den Auswirkungen der Hitze, viele der Toten waren in Frankreich zu beklagen.

Das Problem in Wien wird sich auf Grund der geschilderten Temperaturentwicklungen, einer höheren Anzahl älterer Menschen, kürzeren Krankenhausaufenthalte, usw. verstärken.
Soziale Randgruppen sind besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen
Ältere Personen mit niedrigem sozialem Status, schlechtem Gesundheitszustand, mit wenig sozialen Kontakten, … sind besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Zu den bisherigen Strategien von älteren Personen gegen Hitze gehören, wie die Ergebnisse einer Umfrage zeigen, leichtere Kleidung, ausreichend Trinken und Aktivitäten auf den Morgen bzw. Abend verlegen.
Viele Personen in Pensionistenwohnheimen und viele Personen, die daheim leben, öffnen aber fälschlicherweise ganztägig die Fenster. Die Mehrzahl der befragten älteren Personen bleibt bei Hitze daheim. Hier besteht die Gefahr der sozialen Isolation. Befragt wurden neben Personen in Pensionistenwohnheimen u.a. auch Personen im 7., 8., 9. sowie im 5., 15. und 16. Bezirk. Von Personen in erstgenannten Bezirken meinten nur 41,6% der Befragten, dass es derzeit zu heiß in der Wohnung sei. Von letztgenannten Bezirken teilten 63,5% der Befragten mit, dass es im Sommer zu heiß in der Wohnung werde. Im 7., 8., 9. Wiener Bezirk teilten 18,8% der Befragten mit, dass sie bei Hitze wegfahren (z.B. zu einem Zweitwohnsitz). In den Bezirken 5., 15. sowie 16. waren dies hingegen nur 8,4%.
Maßnahmen gegen Hitze
Als Beispiele von Maßnahmen gegen Hitze können genannt werden: Information der Bürgerinnen und Bürger, Zuständigkeiten der Wiener MAs entsprechend regeln, leichtere Kleidung, ausreichend Trinken, Aktivitäten auf den Morgen bzw. Abend verlegen, Fenster schließen, Jalousien, thermische Sanierung von Gebäuden, Trinkwasserbrunnen, Begrünung der Umgebung, …
Akzeptanz von Maßnahmen abgefragt
Das Projektteam erhob bei einer weiteren Befragung auch, wie ein kühler Ort gestaltet werden sollte und wie der Weg dahin aussehen sollte. Die Zugangsdauer zu öffentlichen Bereichen und Räumen, die im Sommer angenehm kühl sind, sollte nicht länger als 5 Gehminuten betragen. Die Zugangswege sollten mit Bäumen oder Alleen gestaltet werden d.h., Flächen müssen dafür verfügbar gemacht werden. Beschattete Grünanlagen sollten über saubere Toiletten verfügen, es sollte dort ruhig sein, kühler als in der Wohnung und Trinkwasserbrunnen sollten vorhanden sein.
Interessant ist, welche Überschneidungen es mit Erfahrungen im Bereich der Mobilität gibt.
Das Referat knüpfte für die Zuhörerinnen und Zuhörer der Vortrags- und Diskussionsreihe praktisch an Informationen an, die zum Projekt „Urban Fabric + Microclimate“ bereits vorgestellt wurden. In diesem Vorhaben wurden bauliche Maßnahmen zur Begrünung der Umgebung und deren Einfluss auf die Umgebungstemperaturen untersucht.

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Ökologische Stadterneuerung. Transformation der Erdgeschosse und Stadträume

Rückeroberung des öffentlichen Raums und Wiederbelebung der Erdgeschosszonen am Beispiel des Stuwerviertels in Wien.
Die Gruppe „bewusst.nachhaltig“ der Lokalen Agenda Alsergrund lud Ende September DI Dr. Betül Bretschneider ein, um über Ihr Buch „Ökologische Quartierserneuerung. Transformation der Erdgeschosszone und Stadträume“, welches im Springer Verlag mit der ISBN 978-3-658-02681-3 erschienen ist, zu sprechen.

Viele Ursachen für den Leerstand von Erdgeschossflächen
Die Gründe für den Leerstand von Erdgeschossflächen sind vielfältig. Dazu können u.a. zählen:
• Eigentümerinteressen (weniger Identifikation mit Leben vor Ort, Verkaufswert von Immobilien, leerstehende Flächen und damit verbundene Mindereinnahmen können beim Finanzamt den Einnahmen gegenüber gesetzt werden)
• Höhe der Mieten
• Verkehrsprobleme
• Garagen in Erdgeschosszonen (gesetzliche Vorgaben zur Errichtung und deren Förderung)
• Kleinstgewerbe (Größe der Räumlichkeiten, Fehlen von Nachfolgern, …)
• Imageprobleme
• Der „Teufelskreis“: Weniger Nahversorgung –> mehr Einkaufsverkehr–> weniger Laufkunden–> mehr Leerstand!

Beispiele für Wiederbelebung von Quartieren
Die Autorin hat sich mit verschiedenen Beispielen zur Wiederbelebung von Quartieren und zur Steigerung der Lebensqualität beschäftigt. Dazu zählen Berlin (Beispielsweise werden beim Firmenstart keine Gebühren für kleine Schanigärten erhoben), Leipzig, Basel aber auch Wien. In ihrem Buch stellt die Autorin auch die Wirkung der Maßnahmen hinsichtlich der Klimawandelanpassung dar.
Am Beispiel des Stuwerviertels (Anzahl der PKW ist zurückgegangen) und der Erlafstraße in Wien werden Visionen vorgestellt.
Ökologische Quartierserneuerung. Transformation der Erdgeschosszone und Stadträume“ Springer VS, ISBN 978-3-658-02681-3

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Agendagruppe Äußere Liechtensteinstraße

Seit 2010 ist die Agendagruppe Äußere Liechtensteinstraße aktiv. Gegründet aus einem BürgerInnenrat startete die Gruppe gleich durch: 2011 wurde ein großes Straßenfest organisiert, in einer gemeinsamen Aktion mit der Politik die Straße gereinigt, Kontakte mit Hausverwaltungen und HauseigentümerInnen gesucht und Gestaltungsvorschläge gemacht. 2012 wurden Blumenkistchen in der Straße montiert. 2013 konnten dann auch einige Verbesserungsmaßnahmen im Straßenraum umgesetzt werden: die Umgestaltung der Grünflächen an der Ecke Lichtentalergasse sowie eine Fahrbahnaufdopplung und 2 Bäume bei der Newaldgasse.
Auch wenn es noch weiterhin einiges zu verbessern gäbe in der Liechtensteinstraße, ist die Gruppe doch recht stolz auf die durchgeführten Aktionen und Umsetzungen.

Die Agendgruppe ist im letzten Jahr doch leider etwas geschrumpft, sodass die verblieben Aktiven beschlossen haben, die Gruppe nun abzuschließen. Bei einem gemütlichen Essen im La Paz in der Liechtensteinstraße wurde am 22. Oktober der Abschluss gemeinsam mit Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin Momo Kreutz gefeiert.

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Die Motivation der Gruppenmitglieder weiterzuarbeiten ist nach wie vor hoch – wenn sich also neue Personen finden, die aktiv an der Verbesserung der Äußeren Liechtensteinstraße mitarbeiten wollen, würde die Gruppe sofort reaktiviert werden. Großes Intresse besteht zB darin, wieder ein Straßenfest mit Flohmarkt zu veranstalten. Lust mitzuarbeiten? Dann bitte beim Agendabüro Alsergrund melden. buero@agenda21.or.at oder 01/31 57 876

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Menschengerechte Stadt – Gràcia, Barcelona. Ein Vorbild für Wien?

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In einer spannenden Veranstaltung sprach Cynthia Echave (BCNEcologia) aus Barcelona am 11.09.2014 über die verkehrspolitische Neuausrichtung von Barcelona, insbesondere am Beispiel der sogenannten Super-Blocks in Gràcia. Sie war im Rahmen der Vortragsreihe der Agendagruppe „bewusst.nachhaltig“ (Agenda Alsergrund) zu Besuch in Wien.

Hier der Vortrag von Cynthia Echave als Download

Weiters stellte Harald Frey (TU Wien, Forschungsbereich für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik) Konzepte vor, wie der öffentliche Raum in Wien attraktiver und lebenswerter sein und zugunsten der Menschen umgestaltet werden kann. Er machte auch auf aktuelle Fehlentwicklungen aufmerksam.

Hier der Vortrag von Harald Frey als Download

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Chancen erörtert, die sich aufgrund der Erfahrungen in Barclena ergeben. Am Podium diskutierten neben den ReferentInnen Cynthia Echave und Harald Frey, Petra Jens (Beauftragte für Zu-Fuß-Gehende der Stadt Wien), Martin Malyar (SPÖ-Bezirksvorsteherin des 09. Wiener Bezirks) sowie Rüdiger Maresch (Verkehrssprecher der Wiener Grünen). Unter den Gästen fand sich ua Siegi Lindenmayr (Landtagsabgeordnerter und Gemeinderat).

Fazit der Diskussion:
Barcelona hat mit der Super-Block-Idee ein hervorangendes Konzept zur Rückgewinnung und Belebung des Raums umgesetzt. Weltweit gibt es zahlreiche gute Beispiele für die Reparatur der autogerechten Stadt. Menschen müssen für die menschengerechte Stadt eintreten, die Möglichkeit haben, sich in gesellschaftliche Prozesse einzubringen aber sie müssen auch ernst genommen werden. Partizipationsprozesse ohne Aussicht auf Umsetzung führen zum Rückzug der BürgerInnen. Oftmals sind diese weiter mit Visionen und konkreten Ideen als PlanerInnen und BeamtInnen. Hilfreich ist es jedenfalls, wenn die unterschiedlichen Magistratsabteilungen interdisziplinär und vernetzt miteinander arbeiten.

Ein kurzes Memo von René Bolz zur Veranstaltung gibt es hier:
Memo zur Veranstaltung Menschgerechte Stadt

Wie ruhig ist der Alsergrund?

Über die Ruhe im Bezirk und die Erkundung der ruhigen Orte haben wir bereits in diesem blog berichtet.
Der letzte Spaziergang fand in Kooperation mit der Mobilitätsagentur im April 2014 statt und bescherte uns frühlingshaftes Wetter.

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Im Sommer war es dann soweit und die Meinung aller Alsergrunderinnen und Alsergrunder wurde online und per Aussendung eingeholt. In einer Umfrage ging die MA 22 – Wiener Umweltschutzabteilung in Kooperation mit Bezirk und der Lokalen Agenda Alsergrund auf die Suche nach ruhigen Orten am Alsergrund, fragte nach den größten Lärmquellen und holte sich Tipps bei der Bevölkerung was dagegen getan werden kann.
Gleichzeitig wurde aber auch nach Orten der Ruhe gefragt und was einen solchen Ort ausmacht. Dieses lokale Wissen zu Ruheoasen soll vermehrt ins Bewusstsein der AlsergrunderInnen gerückt werden. Ziel ist es, ruhige Bereiche zu erhalten, zu nutzen und zu sichern.
Die spannenden Ergebnisse der Umfrage wurden am 9. Sept. 2014 im Festsaal der Bezirksvorstehung präsentiert.

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An der Umfrage haben sich rund 650 Personen aus allen Teilen des Bezirkes beteiligt und Lärmfaktoren aus ihrer Sicht bewertet und Ruheorte im Bezirk benannt. Der Straßenlärm – und im speziellen der Lärm von Motorrädern – wurde als störendster Lärmfaktor genannt, aber auch Baustellen stören oftmals die Ruhe.
Insbesondere in der Früh und am Abend fühlen sich die meisten Menschen von Lärm betroffen und suchen Ruhe in ihrer Wohnung, einem öffentlichen Park oder einem Platz in der Umgebung.
Jene Orte die am ruhigsten wahrgenommen werden, sind insbesondere der Liechtensteinpark, aber auch der Donaukanal und die Innenhöfe des alten AKH.
In der Umfrage wurde weiters folgende Aussage zu Lärm im Allgemeinen am besten bewertet:
„Verkehrslärm geht uns alle an. Alle sollten nach ihrer Möglichkeit zur Lärmvermeidung beitragen.“
Dies haben wir am Abend der Ergebnispräsentation aufgegriffen und alle Anwesenden aufgefordert die Resultate zu diskutieren, sich einzubringen und auch nach der Veranstaltung an einer Verbesserung und Bewahrung der Ruhebereiche im Bezirk mitzuarbeiten.

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Viele spannende Ideen wurden gesammelt und von den TeinehmerInnen präsentiert. Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung wurden angeregt, auch mehr Verständnis füreinander und Rücksichtnahme aufeinander wurde gefordert.
Alle AlsergrunderInnen sind nun aufgefordert an den weiteren Schritten mitzuarbeiten. Es wurden an diesem Abend bereits sehr konkrete Ideen entwickelt, an denen wir mit den EinwohnerInnen weiterarbeiten möchten.
Sollten Sie Interesse haben mitzuarbeiten, schicken Sie einfach eine email an das Agendabüro buero@agenda21.or.at oder melden Sie sich tel. bei uns. unter 01 315 78 76.
Wir freuen uns über viele Inputs und aktive Mitarbeit!
Die Ergebnisse der Umfrage können Sie HIER herunterladen.