Tag Archive for 'Sozialer Zusammenhalt'

Volksopernviertel 1938

,,Das Haus Fluchtgasse 7 befindet sich im sogenannten Volksopernviertel im 9. Wiener Gemeindebezirk. Schon lange hatte ich den Verdacht, dass auch in diesem Haus, in dem ich wohne und arbeite, einige Spuren der Verfolgung durch das Nationalsozialistische Regime zu finden sein könnten.

Im Mai 2005 schließlich erfuhr ich, dass Schülerinnen und Schüler eine Datenbank mit dem klingenden Namen „A Letter to the Stars“ erstellt hatten.

Diese Datenbank ermöglicht festzustellen, ob an einer Adresse in Österreich Opfer des Nationalsozialismus wohnhaft waren. Nach Eingabe meiner Adresse wurde ich – leider – fündig. …..“

So beginnt die Geschichte, mit der Beatrix Wimmer im Oktober 2013 an die Lokale Agenda Alsergrund herangetreten ist. Acht Jahre lang hat Fr. Wimmer an dem Wissen um die Vergangenheit ihrer Wohnung „gekaut“, um dann den Entschluss zu fassen aktiv zu werden und die Geschichte aufzuarbeiten.

Eine Projektgruppe startet durch!

Mit Unterstützung des Agendabüros wurden rasch weitere Interessierte gefunden, die an dem Projekt mitarbeiten wollen. Es gründete sich eine Agendagruppe und das Projekt nahm Gestalt an.

Es konnte eine Historikerin beauftragt werden, die eine wissenschaftlich fundierte historische Recherche vornahm. Nun wissen wir, dass insgesamt 27 (!) Personen, die im Haus Fluchtgasse 7 wohnhaft waren, in den Jahren 1938-1945 verfolgt, beraubt, vertrieben und ermordet wurden.

Lehmann. Digitalisierte Adressbücher von 1859 bis 1942

Lehmann. Digitalisierte Adressbücher von 1859 bis 1942

Die Gruppe hat Kontakt mit der Leitung der Volksoper aufgenommen, mit dem Ersuchen um Unterstützung bzw. Kooperation. Es stellte sich heraus, dass aktuell an einer Dissertation gearbeitet wird, deren Thema die Erforschung der Schicksale von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Volksoper in der Zeit des Nationalsozialismus ist. Erfreulicherweise konnte eine gute Gesprächsbasis hergestellt werden und die Gruppe traf auf hohes Interesse, das auch eine Kooperation in Aussicht stellt.

Eine Vertreterin des Vereins „Servitengasse1938“, welcher aus einer Agendagruppe entstanden ist, unterstützt die regelmäßig die Agendagruppe.

Es gelingt auch mit Zeitzeugen Kontakt aufzunehmen, die ihre Jugend in dem Grätzl verbracht haben. Ein Telefonat mit einer Zeitzeugin aus Haifa (Israel) kommt zustande!

Ein Verein wurde gegründet und eine Homepage entsteht!

Die Gruppe beschließt eine Gedenktafel an dem Haus Fluchtgasse 7 anzubringen. Um diese auch finanzieren zu können, gründet die Gruppe einen Verein. Dies ermöglicht Spenden anzunehmen (jeder noch so kleine Betrag hilft) und um Förderungen ansuchen zu können.

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Gleichzeitig wird auch an einer eigenen Projekthomepage gearbeitet. Die Seite www.volksopernviertel1938.at ist entstanden – und alle sind berechtigterweise stolz darauf!

Die Gruppe hofft 2015 die Anbringung und Einweihung der Gedenktafel in der Fluchtgasse 7 vornehmen zu können.

Lokales Wissen sammeln und Informationen weitergeben – das Stadtteil-Netzwerk Stadlau

02_stadlauDas Stadtteil-Netzwerk Stadlau trifft sich seit Herbst 2010 circa alle drei Monate, um lokales Wissen zu sammeln, aktuelle Themen in Stadlau auszutauschen und um Aktivitäten im Stadtteil zu initiieren. Rund 15 Personen die in Stadlau leben und arbeiten sind dabei: Pfarre Stadlau, Schulen (VS und NMS) in der Konstanziagasse, Stadlauer Kaufleute, wohnpartner, mobile Jugendarbeit SEA, Jugendzentrum Stadlau JuZeS, Stadtteilbüro der Oase22, Wiener Gesundheitsförderung (WiG), MA11-Amt für Jugend und Familie, AgendaDonaustadt Plus sowie engagierte BewohnerInnen. Die Vielseitigkeit der TeilnehmerInnen zeigt die Bedeutung des Stadtteil-Netzwerks. Lokal tätige Institutionen schätzen es sehr sich im Rahmen des Netzwerks regelmäßig zu treffen. Auch der Austausch mit BewohnerInnen wird als Bereicherung gesehen. Vice versa sehen die teilnehmenden BewohnerInnen eine große Chance im Austausch mit lokalen AkteurInnen.

Was genau passiert in den Netzwerk-Treffen?

Zentrales Ziel des Netzwerks ist das Kennenlernen neuer und alter StadlauerInnen. Ein wesentlicher Teil der Treffen widmet sich dem Austausch über das aktuelle Geschehen in Stadlau: was sind aktuelle Termine, welche Themen werden derzeit im Stadtteil diskutiert, was bewegt die StadlauerInnen, wie geht es den verschiedenen Generationen miteinander, wo gibt es Konfliktpunkte, was sind neue Projekte bzw. Pläne der Stadtentwicklung? Durch den ausführlichen Austausch sehen sich die TeilnehmerInnen des Netzwerks dann in der Rolle die Informationen in den Stadtteil zu tragen. Gespräche mit NachbarInnen, KundInnen, Mitgliedern und BesucherInnen werden dazu genutzt.

Für Gemeinderat und Agendabeauftragten der Donaustadt Josef Taucher stellt das Netzwerk in Stadlau einen besonders effektiven Gradmesser dar: „Das Netzwerk zeigt, was im Grätzl passiert und was der Stadtteil braucht. Es konnten außerdem in Kooperation und getragen vom Netzwerk sehr innovative Projekte für Stadlau umgesetzt werden. Neben Parkneugestaltung, Bauernmarkt, Familienmeile beim Kirtag und kleineren Initiativen ist es auch gelungen die Nachbarschaft im urbanen Dorf Stadlau zu stärken.“

Des Weiteren wurde ein „Reiseführer Stadlau“ erstellt, das Wissen des gesamten Netzwerks ist hier eingeflossen und weist auf die Stadlauer Schätze hin. Den Reiseführer erhalten Sie bei der AgendaDonaustadt oder digital auf der AgendaDonaustadt Website: www.agendawien22.at

Mit Hilfe des Reiseführers organisierte das Netzwerk Spaziergänge durch Stadlau. Teilgenommen haben: MitarbeiterInnen der MA14 und KAV-IT, neu zugezogene StadlauerInnen ebenso wie alteingesessene StadlauerInnen. Während der Spaziergänge wurden ganz persönliche Eindrücke und Erlebnisse weitergegeben.

Viele spannende Termine, Einrichtungen und Orte in Stadlau können auf auch der Homepage www.stadlau.100gruende.at nachgelesen werden. BewohnerInnen sind eingeladen die digitale Stadtteilplattform mit eigenen Tipps zum Stadtteil zu befüllen.

Außerdem unterstützt das Netzwerk diverse Veranstaltungen am Stadlauer Bauernmarkt, zB Urban Knitting im Stadlauer Park. SchülerInnen der Volksschule und NMS Konstanziagasse haben während des Bauernmarkts Bäume eingestrickt. Die Veranstaltung fand 2013 im Rahmen des Donaustadtkulturfestivals „auf zu neuen ufern 3“ statt.

Im heurigen Jahr widmet sich das Netzwerk dem Themenkreis „Orte der Begegnung“, hier zählt der öffentliche Raum genauso dazu wie die Zwischennutzung von leerstehenden Erdgeschoßlokalen oder das Schaffen von Anlässen des Zusammenkommens. Gemeinderat Josef Taucher freut sich schon auf „weitere sozial kluge, also smarte Projekte für Stadlau!“

Die Zukunftshandlung – Treffpunkt für vielfältige und gelebte Nachbarschaft auf der Wieden

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Sie sind vielleicht schon am Schaufenster der ehemaligen Tierhandlung in der Wiedner Hauptstraße 60b vorbei spaziert und haben die eine oder andere Information aufgeschnappt?! Aber Sie wissen nicht genau was die Zukunftshandlung der AgendaWieden ist? Die Zukunftshandlung wurde 2013 eröffnet und bisher exklusiv von Agenda-Gruppen und für Agenda-Veranstaltungen genutzt. Sie ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs für die Menschen auf der Wieden. Die Zukunftshandlung steht für Aktivitäten zur Verfügung, die lebendige Nachbarschaften fördern, zur Lebensqualität auf der Wieden beitragen und nicht kommerziell sind. Seit 2014 können alle WiednerInnen den Raum in diesem Sinn nutzen. Im Kalender auf der AgendaWieden Homepage, können Sie alle Termine nachlesen!

Wenn auch Sie die Zukunftshandlung gerne nutzen oder besuchen wollen, dann melden Sie sich bitte bei der AgendaWieden. Es gibt noch freie Zeitfenster!

Seit Jänner gibt es folgende regelmäßige Termine:

Begegnung auf Augenhöhe: In diesem Austauschformat wird die Begegnung zwischen Generationen angeregt und zum gegenseitigen Kennenlernen eingeladen. Die TeilnehmerInnen tauschen sich bei Kaffee und Kuchen mit Hilfe vorbereiteter Fragen zu unterschiedlichen Themen aus. Thema der ersten Begegnung ist “Was hat Lernen mit Bildung zu tun?”.
Wann? Mittwoch, 25. Februar 2015 um 18.30 Uhr

 
Lösung 4 you – Gruppengespräch am runden Tisch: In einem offenen Gesprächsklima können Ängste, Wünsche und Hoffnungen geteilt werden. Ziel ist es im Gespräch voneinander zu lernen – der Austausch von Erfahrungen und persönlichen Geschichten soll die TeilnehmerInnen stärken. Die Gruppengespräche finden ungefähr alle drei Wochen statt.
Wann? Dienstag, 3. März 2015 um 19 Uhr

 
Foodcoop Wieden: Die erste Lebensmittelkooperative (Foodcoop) auf der Wieden befindet sich derzeit in der Gründungsphase. Für die Gruppentreffen der Mitglieder wird die Zukunftshandlung genutzt. Wenn auch Sie mitmachen wollen, melden Sie sich bei Foodcoop1040@hotmail.com.
Nächster Info-Abend für Interessierte am Montag, 2. März 2015 um 19 Uhr

 
Grätzlwerkraum: Einmal pro Woche kann in der Zukunftshandlung gewerkt werden. Das Team des Grätzlwerkraums steht auch gerne mit Rat beiseite.
Alle aktuellen Termine in der Zukunftshandlung finden Sie auch hier.

 

 

Vernetzung und Kooperation in der Donaustadt – das Stadtteil-Netzwerk Hirschstetten

Neben der Begleitung von Gruppen aktiver BürgerInnen, die gemeinsam nachhaltige Projekte umsetzen, unterstützt die AgendaDonaustadt die gute Vernetzung von verschiedenen Einrichtungen und aktiven BewohnerInnen eines Stadtteils. Solche Stadtteil-Netzwerke haben viele Vorteile für die Einrichtungen und tragen durch den regelmäßigen Austausch und durch Kooperationen zur guten Lebensqualität im Stadtteil bei. “Sie wirken wie ein soziales Immunsystem, dass sehr schnell Probleme und Bedürfnisse im Grätzl aufnimmt und in Kooperation zwischen den unterschiedlichen Einrichtungen und der Politik bearbeitet. Diese Netzwerke müssen aber auch – wie unsere Gesundheit – gepflegt und unterstützt werden und das ist mit der AgendaDonaustadt erst möglich geworden.“, betont der AgendaDonaustadt-Beauftragte Gemeinderat Mag. Josef Taucher.

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Das Stadtteil-Netzwerk Hirschstetten trifft sich seit mittlerweile sechs Jahren. Regelmäßig tauschen sich Jugendzentrum, wohnpartner, Kinderfreunde, Volkschule Prinzgasse, MA17, Polizei, die AgendaDonaustadt und auch die Bezirksvorstehung Donaustadt über aktuelle Themen in Hirschstetten aus. Diskutiert wird unter anderem über bevorstehende Veranstaltungen und Projekte, Verbesserungsmöglichkeiten der sozialen Infrastruktur in Hirschstetten, Auswirkungen von baulichen Veränderungen, Vorschläge für eine gute Nachbarschaft, Chancen und Schwierigkeiten im Zusammenleben verschiedener Kulturen oder Generationen. Gerade der generationenübergreifende Aspekt ist für Bezirksrat Christian Ohr das Besondere der Plattform: „Im Netzwerk sind VertreterInnen von verschiedenen Generationen. Kinder, Jugendliche, Seniorinnen und Senioren sowie öffentliche Dienststellen reden mit. Wenn so ein Team gemeinsam auf einen Konsens kommt, können schöne Projekte entstehen.“

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Denn neben dem Austausch ergeben sich immer wieder Möglichkeiten zu Kooperationen zwischen den Institutionen. Gemeinsam planen die vertretenen Organisationen Projekte und Aktionen:
Bei dem Zeichenwettbewerb „Wie könnte Hirschstetten in 10 Jahren aussehen?“ setzten sich SchülerInnen der VS Prinzgasse mit der Zukunft ihres Wohnortes auseinander. Die Kinderfreunde konnten durch die Kooperation mit einigen NetzwerkpartnerInnen eine Zeitung mit Schwerpunkt auf Hirschstetten/ Heidjöchl veröffentlichen.
Auf der Homepage www.hirschstetten.100gruende.at können sich BürgerInnen Tipps zum Stadtteil holen und auf der interaktiven Karte selbst Hinweise eintragen. In der Startphase halfen hier auch Jugendliche des Jugendzentrums mit. 2012 erstellte das Netzwerk gemeinsam die Broschüre „Hirschstetten spielt zusammen“ mit verschiedenen Spielvorschlägen von und für BewohnerInnen des Stadtteils und bot bei unterschiedlichen Veranstaltungen in Hirschstetten Spielstationen an, um alte Spiele neu zu entdecken und unbekannte Spiele kennenzulernen. Die Broschüre gibt es auf der Homepage der AgendaDonaustadt als Download.

Ein gemeinsames Jahresmotto hilft dem Stadtteil-Netzwerk bei Projekten zu kooperieren. Während sich letztes Jahr einige Projekte mit dem Thema „Gesundheit“ beschäftigten, steht das Jahr 2015 unter dem Motto „ Identitäten im Stadtteil“.

Französische Kommunale Wohlfahrtszentren als Motoren einer nachhaltigen (sozialen) Entwicklung

Über 1000 TeilnehmerInnen diskutierten diese Woche am 64. Kongresses der Union der französischen kommunalen Wohlfahrtszentren (UNCCAS, www.unccas.org/de wie eine nachhaltige soziale Entwicklung erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang spielt die Lokale Agenda 21, die in Frankreich in den letzten Jahren einen ziemlichen Aufschwung erfahren hat, eine wichtige Rolle. In einem Workshop zu internationalen Beispielen präsentierten wir die Erfahrungen der Wiener LA21 Plus.

Unter anderem wurde am Kongress für die Bekämpfung der “Energiearmut” geworben, da gerade sozial schwächere Haushalte durch hohe Energiekosten stark belastet sind. ELISAN, das internationale Netzwerk für lokale soziale Inklusion und Aktion, führt aktuell einen europäischen Wettbewerb zur Ermittlung von “Best Practice Projekten” zur Bekämpfung von Energiearmut durch. Den GewinnerInnen winken 5 Preise zwischen 3.000 und 2.500 Euro. http://www.elisan.eu/